Klimawandel und Umweltkonflikte als Krisenmultiplikatoren

von Prof. Dr. Markus Vogt, LMU München

Der Klimawandel gehört zu den größten Bedrohungen des Lebens im 21. Jahrhundert. Er beeinträchtigt schon heute und in Zukunft exponentiell zunehmend die Lebenschancen von Milliarden von Menschen. Sicherheit ist ohne eine rasche und tiefgreifende Reform unseres Wirtschafts- und Konsummodells nicht denkbar.

Da der Klimawandel bereits in Gang ist, braucht es neben mitigation (Abmilderung seiner Dynamik vor allem durch Abkehr von fossilen Energien bis hin zu Klimaneutralität bis spätestens Mitte des Jahrhunderts) ebenso Maßnahmen der adaptation (Anpassung an den Klimawandel einschließlich weitreichender finanzieller, technischer, organisatorischer und sozialer Hilfen für die Länder des Globalen Südens). Viele Regierungen weltweit zeigen sich schon heute erheblich von den Folgen des Klimawandels überfordert und benötigen internationale Hilfe, um die gesellschaftliche Ordnung aufrechtzuerhalten und Standards menschenrechtlicher Sicherheit gewährleisten zu können. Da der Klimawandel bewaffnete Konflikte auslösen oder verstärken kann, ist dies auch militärisch eine Frage präventiver Sicherheitspolitik.

Bei aller Dramatik der Probleme sollte jedoch nicht übersehen werden, dass der Zusammenhang zwischen Klimawandel und militärischen Konflikten nicht linear, sondern höchst vielschichtig und eher indirekt ist. Dazu im Folgenden aus der Sicht Christlicher Sozialethik einige Thesen als Anregung zu weiterer Diskussion:

(1) Umweltknappheiten führen nicht notwendig zu sozialen und militärischen Konflikten.

Die umwelthistorische Forschung zum grenzüberschreitenden Umgang der Menschen mit empfindlichen Ökosystemen, z.B. Flüssen, Seen und Meeresküsten ist ermutigend: Oft ist es ihnen über die Grenzen von Ethnien, Nationen und Gruppen über Jahrhunderte gelungen, relativ friedlich und kooperativ mit Nutzungskonflikten umzugehen.[1] Das gemeinsame Bewusstsein auf die Natur angewiesen zu sein, kann Verständigung fördern. So ist gegenwärtig das wachsende Bewusstsein für die Bedrohlichkeit des Klimawandels Anlass für eine neue Qualität globaler Kooperationen. Der Klimavertrag von Paris, den alle Nationen 2015 unterschrieben haben, ist dafür trotz aller Grenzen in der Umsetzung ein historisch bemerkenswerter, politisch innovativer Beleg. Das Bewusstsein einer globalen Schicksalsgemeinschaft und der Notwendigkeit einer Transformation des Völkerrechts vom Koexistenz- und Kooperationsrecht wächst im Schatten der Klimakrise.

Bevor man Szenarien neuer Ressourcenkriege entwirft, sollte man dieses positive Faktum nicht übersehen. Wir können und müssen Konflikte im Zusammenhang mit dem Klimawandel auf dem Weg des Völkerrechts und der multilateralen Verhandlungen friedlich und fair lösen. Die Arbeit des Umweltprogramms der UNO ist als ein Friedensdienst von historischem Rang zu würdigen. Dazu gehört es auch, mit allen Kräften auf die Umsetzung der Beschlüsse von Paris zu drängen und dies als eine vorrangige friedensethische Aufgabe einzustufen.

(2) Oft verursacht der Überfluss an Ressourcen erhebliche Konflikte.

Die Erfahrung vieler Länder besonders im Globalen Süden zeigt, dass Konflikte häufig nicht primär durch den Mangel an Ressourcen ausgelöst werden, sondern paradoxer Weise durch ihren Reichtum: Oft wecken Bodenschätze wie Gold und andere Edelmetalle, Diamanten, Edelhölzer, Öl- oder Gasvorkommen die Gier der Menschen und werden so zum Ausgangspunkt für soziale, nicht selten auch bewaffnete Konflikte. In der Forschung spricht man vom „Ressourcenfluch“[2]. Der postkoloniale „Neo-Extraktivismus“ fördert Strukturen der Ausbeutung, der Korruption sowie der Vernachlässigung einer (Land-) Wirtschaft, die Grundlage stabiler und integrativer sozioökonomischer Entwicklungen sein könnte. Rohstoffreiche Länder werden mit höherer Wahrscheinlichkeit von aggressiven Diktaturen regiert. Der Rohstoffexport wird oft genutzt, den Machterhalt einer kleinen, korrupten Elite zu finanzieren (z.B. in Nigeria, in Gabun oder im Tschad). Im Kontext von Angola spricht man von „Blutdiamanten“. Die Irakkriege (1980, 1990, 2003) sind kaum ohne den internationalen Konflikt um den Zugriff auf die Ölvorkommen zu verstehen.

Als positives Gegenbeispiel zeigt Norwegen, das den Reichtum aus dem Ölvorkommen in Staatsfonds investiert hat, dass der Ressourcenfluch kein notwendiges Schicksal ist. Insgesamt ist jedoch zu konstatieren, dass die massive Ausbeutung natürlicher Ressourcen, zu der viele Länder nicht zuletzt durch ihre Überschuldung gezwungen werden, ein nicht zu unterschätzender Ausgangspunkt von Korruption, Machtmissbrauch, sozialer Ungleichheit und bewaffneten Konflikten ist. Diese Seite der sozialen „Kosten“ des billigen Öls und der Ressourcenausbeutung wird selten in ihren friedenspolitischen Zusammenhängen thematisiert. Die fossilen Energien belasten den Frieden nicht nur durch die klimaschädigenden Emissionen, sondern auch durch die mit ihnen verbundene Dynamik von Machtasymmetrien.

(3) Ressourcenkonflikte sind in der Regel nicht Ursache, sondern Verstärker bestehender Konflikte.

Die Entwicklung der letzten eineinhalb Jahrzehnte in Syrien scheint einen fatalen Zusammenhang zwischen Klimawandel, extremer Trockenheit, Migration und Krieg zu belegen.  Bei genauerem Hinsehen zeigt sich dieser aber nicht als eine monokausale Wirkungskette, da die bewaffneten Konflikte zeitlich verzögert und nicht maßgeblich von der vertriebenen Bevölkerungsgruppe ausgelöst wurden.[3] Menschen, denen die naturale Existenzbasis entzogen wird, leiden oft so sehr an Armut, dass sie gar nicht die Möglichkeit haben, einen Krieg zu führen. Oft geschieht die Naturzerstörung schleichend und lässt sich nicht klar an einen Schuldigen, den man zur Rechenschaft ziehen kann, adressieren. Konflikte um Weideland sind in nomadischen Gesellschaften allerdings im Kontext von Klimawandel durchaus höchst virulent. Oft überfordert die Destabilisierung der sozialen Situation durch den Klimawandel die politische Lösungskompetenz der Staaten. Klimawandel wirkt so nicht als isoliert verstehbarer Kriegsauslöser, sondern als Eskalationsfaktor und Krisenverstärker. Charakteristisch für solche Konstellationen ist die Überlagerung ökologischer, sozialer, wirtschaftlicher und politischer Konflikte, die zu einem explosiven Gemisch führen kann. Dabei ist die weltweite Degradation von Lebensräumen ein weitreichender Konfliktverstärker.[4]

Die Prognosen hinsichtlich der zu erwartenden Zahl von Klimaflüchtlingen schwanken erheblich. Eine häufig genannte Zahl ist 200 Millionen Umweltflüchtlinge bis 2050. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) beziffert die Zahl derjenigen, die im letzten Jahrzehnt aufgrund von Dauerregen, langanhaltenden Dürren und Hitzewellen jedes Jahr ihre Heimat verlassen mussten, mit durchschnittlich 23 Millionen Menschen. Schon heute ist erkennbar, dass einige Regionen in Äquatornähe, an denen anhaltende Hitzewellen von über 50 Grad Celsius auftreten, für Menschen (insbesondere Arme in ihren Wellblechhütten und in Verbindung mit Wassermangel) nicht mehr lange bewohnbar sein werden. Unsicherheit besteht hinsichtlich der Frage, wie sehr ein Meeresspiegelanstieg Küstenregionen mit den häufig tiefliegenden Megastädten unbewohnbar machen kann. Auch wenn sich der Begriff „Klimaflüchtling“ aufgrund der multifakorellen Ursachen für Migration nicht scharf abgrenzen lässt, ist erkennbar, dass die Konzepte von Sicherheit, Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung massive Rückschläge erleiden und ins Leere laufen, wenn sie diese Zusammenhänge nicht in den Blick nehmen.

Aber auch hier sind die Wechselwirkungen nicht linear: Den ganz Armen und ökologisch arm Gemachten fehlt in der Regel die Möglichkeit internationaler oder interkontinentaler Migration. Deshalb kann Hilfe im Kontext einer desolaten Situation paradoxer Weise zunächst durchaus zum Anstieg von Migration führen. Erst wenn sie den Menschen dauerhafte Perspektiven für ein Leben in Würde im eigenen Land gibt, kann sie Migration und die damit verbundenen Konflikte mildern.

(4) Der anthropogene Klimawandel ist als „ökologische Aggression“ einzustufen.

Der Klimawandel ist weitgehend anthropogen, also vom Menschen verursacht. Damit ist er nicht eine Frage des Schicksals, sondern eine der Gerechtigkeit. Der Lebens- und Wirtschaftsstil der reichen Nationen sowie der reichen Klasse in den Ländern des Globalen Südens, raubt zahllosen Menschen existenzielle Lebenschancen. Mit Klaus Töpfer muss man den Klimawandel als „ökologische Aggression“[5] einstufen. Er ist eine Form des Kolonialismus – diesmal nicht mit direkten militärischen Eroberungen und Sklavenhandel, sondern indirekt über die „slow violence“ der Atmosphärengase, die zahllosen Menschen in anderen Kontinenten und künftigen Generationen ihre Existenzbasis raubt.[6] Ca. zwei Drittel des Naturverbrauchs, der mit dem Lebensstil der Länder des Globalen Nordens verbunden ist, wird in andere Länder verlagert, also externalisiert (z.B. durch Futtermittel oder durch wasserintensive Plantagenfrüchte). In seinem Buch „Neben uns die Sintflut“ bringt Stephan Lessenich dies auf den Begriff der „Externalisierungsgesellschaft“[7]. Dieses Gesellschaftsmodell widerspricht nicht nur der Gerechtigkeit, sondern ist eine Form latenter Gewaltausübung, die unvereinbar ist mit dem Anspruch des gerechten Friedens.

Friedensethisch könnten diese ethischen Zusammenhänge insofern eine besondere Brisanz entfaltet, als das Bewusstsein für die massive Ungerechtigkeit der Lage weltweit erheblich wächst. Wenn die Menschen dauerhaft ohne Perspektive der Besserung in desolaten und offensichtlich ungerechten Situation allein gelassen werden, entstehen erhebliche Frustrationen und Aggressionen. Daraus könnte sich ein Nährboden für Extremismus oder gar ökomotivierten Terrorismus entwickeln.

(5) In der Forschung gibt es erheblichen Nachholbedarf hinsichtlich der Analyse des Zusammenhangs von Klimawandel und Sicherheit

Eine der gründlichsten Studien zum Zusammenhang von Klimawandel und bewaffneten Konflikten hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) 2007 unter dem Titel „Sicherheitsrisiko Klimawandel“ veröffentlicht.[8] Im gleichen Jahr trug Harald Welzer durch sein Buch „Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“[9] offensiv zur Popularisierung des Themas bei. Seither gibt es zwar immer wieder erhellende Studien zu Einzelaspekten – nicht zuletzt von Michael Brzoska oder Susanne Dröge – es fehlt jedoch eine umfassende Zusammenführung der neueren Erkenntnisse der komplexen Wirkungsmechanismen, die der sich Jahr für Jahr zuspitzenden Dramatik des Klimawandels. Hier gibt es erheblichen Nachholbedarf in der Forschung. Dabei wären nicht nur die neuere Erkenntnis der Klimaforschung zu berücksichtigen, sondern auch die teilweise nicht weniger dramatischen Entwicklungen politischer Destabilisierung und der weitweiten Schwächung der demokratischen Strukturen und damit der teilweise abnehmenden Bereitschaft zu internationalen Verhandlungen.[10] Der aggressive, geostrategisch motivierte Zugriff auf natürliche Ressourcen, wie z.B. von China und einigen arabischen Staaten auf fruchtbare Böden in Afrika, gefährdet den Frieden und wirkt im Kontext des Klimawandels sowie der damit verbundenen Wasserknappheit und Ernährungsunsicherheit als Krisenmultiplikator.

Ein wegweisender Leitbegriff für Sicherheitspolitik unter den Bedingungen des Klimawandels könnte Resilienz[11] sein: Gefordert ist die Vorbereitung auf „Probleme zweiter Ordnung“, also unbekannte und unerwartbare Probleme, um „krisenrobust“ reagieren zu können und die Verwundbarkeiten der Gesellschaften möglichst gering zu halten. Die Vulnerabilität einer Gesellschaft wie Deutschland liegt heute ganz wesentlich auch in der Gefahr einer möglichen Destabilisierung bzw. gezielten Störung der Energie-, Ernährungs- und Informationssysteme, in der Überforderung durch Naturkatastrophen im Kontext des Klimawandels oder durch Zoonosen wie Corona, die wir künftig häufiger zu erwarten haben. Die Erosion des gesellschaftlichen Zusammenhaltes in Europa, das ein multiples Bündel unterschiedlicher Krisen gleichzeitig bewältigen muss, ist auch unter sicherheits- und klimapolitischer Rücksicht eine zentrale Herausforderung. Man muss damit rechnen, dass in hybrider Kriegsführung all diese Gefährdungsfaktoren gezielt ausgenutzt werden können. Die Kooperation zwischen Militär, Politik und Zivilgesellschaft steht hier vor ganz neuen Aufgaben. Durch logistische Amtshilfe zur Bewältigung der Coronakrise[12] hat das Militär in Deutschland sowie in vielen anderen Ländern wesentlich zu einem resilienten Krisenmanagement beigetragen. Ähnliches könnte in Zukunft angesichts der Herausforderungen des Klimawandels des Öfteren gefordert sein. Ein aktuelles Beispiel sind die Flutkatastrophen in Nordrhein-Westfalen und Rheinlandpfalz.

(6) Der Auftrag der Friedenssicherung hatte und hat eine Impulsfunktion für die päpstliche Beschäftigung mit Umweltfragen.

Die Päpste haben sich in ihren seit über 50 Jahren stets im Vorfeld von Neujahr erscheinenden Friedensbotschaften wiederholt mit dem Zusammenhang von Frieden und Schöpfungsverantwortung auseinandergesetzt.[13] Besonders hervorzuheben sind die Botschaft von Johannes Paul II. 1990 „Friede mit Gott dem Schöpfer, Friede mit der ganzen Schöpfung“, die Friedensbotschaft 2010 von Papst Benedikt XVI „Willst Du den Frieden fördern, so bewahre die Schöpfung“ und die Friedenbotschaft von Franziskus 2020 „Friede als Weg der Hoffnung: Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“.

Die Botschaft von Johannes Paul II., in der er eindrücklich von einer „ökologischen Berufung“ aller Christen spricht, ist ein Meilenstein in der Annäherung des Katholischen Lehramtes an die Umweltfrage. Papst Benedikt geht differenziert auf Fragen der Energieversorgung als Erfordernis von Gerechtigkeit und langfristiger Friedenssicherung ein. Papst Franziskus erinnert an die unselige Verquickung von Gewalt und Ressourcenkonflikten im Amazonasbecken und ruft zu einer umfassenden „ökologischen Umkehr“ auf. In seiner jüngsten Enzyklika „Fratelli tutti“, die man als Friedensenzyklika einordnen kann,[14] spricht er von einem „dritten Weltkrieg in Stücken“ (Nr. 259), der sich anbahne – vielfältige Formen latenter und direkter Gewalt, unter die auch Ressourcenkonflikte zu rechnen sind.

Man kann die Friedensbotschaften der Päpste – etwas zugespitzt – so zusammenfassen: Das aus dem Lot geratene Verhältnis zur Schöpfung führt auch unter den Menschen zu Unfrieden. Wir führen einen Krieg gegen die Natur, der unweigerlich in einen Krieg der Menschen untereinander mündet. Das gegenwärtige Naturverhältnis ist selbst eine Form der Gewaltausübung, der „slow violence“. Ohne Frieden mit der Natur kein Frieden unter den Menschen. Positiv gewendet: Schöpfungsverantwortung und Klimaschutz sind ein Weg zum Frieden.

(7) Das Paradigma des „Gerechten Friedens“ der Katholischen Soziallehre verpflichtet dazu. Klimaschutz als notwendigen und integralen Bestandteil der Friedenssicherung zu verstehen.

Die spezifisch christliche Perspektive auf den Zusammenhang von Klimawandel und Frieden ist durch das Konzept der „integralen Entwicklung“ geprägt. Dies war einer der Impulse für die Etablierung des ethischen Prinzips der Nachhaltigkeit.[15]

Die erste globale Institution, die sich für das Konzept der Nachhaltigkeit ausgesprochen hat, war der Weltrat der Kirchen, der bereits 1974 ein mehrjähriges Programm „Sustainable Society“ ins Leben gerufen hat. Im Konziliaren Prozess „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ hat die ganzheitliche Sichtweise ein programmatisches Profil gewonnen. Die Texte, die die Kirchen Ende der 1980er Jahren bei den Treffen in Dresden, Stuttgart und Basel formuliert haben, prägten wörtlich ganze Passagen der ersten großen UN-Konferenz zur Nachhaltigkeit 1992 in Rio. Demnach sind Schöpfungsverantwortung und Klimaschutz ein unverzichtbarer Bestandteil präventiver Friedenssicherung.

Die integrale Sichtweise ökologischer, sozialer, ökonomischer und friedenspolitischer Aspekte ist entscheidend, wenn man von der Ebene der Symptombekämpfung zu den Ursachen und Wechselwirkungen sowie zu präventiven Strategien vordringen will.

Allerdings kann die „Ganzheitlichkeits-Semantik“ einem analytisch trennscharfen Blick, der die unterschiedlichen Problemebenen unterscheidet und gerade nicht immer alle Probleme gleichzeitig anspricht, sondern Schritt für Schritt nach Lösungen sucht, auch hinderlich sein.

Es kommt darauf an, nicht bei Schlagworten stehen zu bleiben, sondern einem vertieften Blick der Wechselwirkung von Gerechtigkeit, Schöpfungsverantwortung und Frieden auf die Spur zu kommen. Dafür bietet die Schrift der Deutschen Bischofskonferenz „Gerechter Frieden“ aus dem Jahr 2000 wegweisende Impulse von bleibender Aktualität. Der Anspruch der Gerechtigkeit ist das entscheidende Scharnier, das Friedenssicherung und Klimaschutz miteinander verbindet.

In einer Zeit, in der der Klimawandel zum wirkmächtigsten Auslöser gesamtgesellschaftlicher Disruptionen geworden ist, die die Kräfteverhältnisse der Weltordnung erheblich durcheinanderwirbeln werden, sind die Abkehr von fossilen Energien sowie Anpassungshilfen an den Klimawandel einschließlich von Katastrophen- und Wiederaufbauhilfen zu einem integralen Bestandteil vorsorgender Friedenssicherung geworden.

 


[1] Das soll freilich nicht in Abrede stellen, dass es beispielsweise bei den zunehmend komplexen Herausforderungen des Wassermanagements in den letzten Jahren und Jahrzehnten erhebliche Defizite gibt; für einen guten Überblick vgl. UNESCO: Wasser bewerten und wertschätzen. Weltwasserbericht der Vereinten Nationen 2021, https://www.unesco.de/sites/default/files/2021-03/WWDR2021_dt%20Kurzfassung.pdf (Abruf 24.7.2021).

[2]Vgl. Richard Auty: Sustaining Development in Mineral Economies: The Resource Curse Thesis, London 1993; Tom Burgis: Der Fluch des Reichtums – Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas, Frankfurt 2016.

[3] Brzoska, Michael: Der Klimawandel als Risikoverstärker – Über die Zusammenhänge von Klimaveränderungen und Konflikten, in: http://www.ethikundmilitaer.de/de/themenueberblick/20211-klimawandel/brzoska-der-klimawandel-als-risikoverstaerker-ueber-die-zusammenhaenge-von-klimaveraenderungen-und-konflikten/

[4] Welthungerhilfe: Kriege, Klimawandel & Corona führen zu Rückschlägen bei Hungerbekämpfung: Welthungerhilfe stellt Jahresbericht 2020 vor (Pressemeldung vom 30. 6. 2021; https://www.welthungerhilfe.de/presse/pressemitteilungen/2021/jahresbericht-2020/ (Abruf 24.7.2021).

[5] Töpfer, Klaus (2008): „Wir im Westen betreiben ökologische Aggression.“ Gespräch mit Sebastian Knauer und Rafaela von Bredow, in: Spiegel special 3/2008, 78–83; https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/57119192 (Abruf: 05.06.2020).

[6]Zum Konzept der Slow violence vgl. Nixon, Rob: Slow violence and the Environmentalism of the Poor, Cambridge 2011.

[7] Lessenich, Stephan: Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis, Berlin 2016.

[8] Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU): Welt im Wandel: Sicherheitsrisiko Klimawandel, Berlin 2007.

[9]Welzer, Harald: Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird, Frankfurt 2017.

[10] Fukuyama, Francis: Identity: The Demand for Dignity and the Politics of Resentment, New York 2018.

[11] Vgl. zum Folgenden Vogt, Markus: Resilienz und Nachhaltigkeit in der Corona-Krise, in:  https://www.zebis.eu/veroeffentlichungen/positionen/resilienz-und-nachhaltigkeit-in-der-corona-krise-von-prof-markus-vogt/ (Abruf 24.7.2021).

[12] Vgl. Vogt, Markus/Husmann, Rolf: Corona als Sicherheitsrisiko. Zur Rolle des Militärs in der verunsicherten Gesellschaft, in: Ethik und Militär 2/2020, 14-21.

[13] Vgl. hierzu und zu den folgenden Ausführungen als Hintergrund: Vogt, Markus: Christliche Umweltethik. Grundlagen und zentrale Herausforderungen, Freiburg 2021, 187-289.

[14] Vogt, Markus: Die Botschaft von Fratelli tutti im Kontext der Katholischen Soziallehre, in: MThZ 72/2021, 108-123.

[15] Vgl. zum Folgenden: Vogt, Markus: Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive, 3. Aufl. München 2013, 180-214.