Special: Neue Erkenntnisse zu Drohnenpiloten und PTBS – wie gefährdet sind sie wirklich?

Was müssen Drohnenpiloten wirklich aushalten?

Gertrud Maria Vaske

Drohnenpiloten machen einen schwierigen Job, dessen psychische Auswirkungen bislang niemand abschätzen kann. Töten per Mausklick? Was verlangen wir von Drohnenpiloten? Wie hoch ist das Risiko dem Druck nicht mehr standhalten zu können?

An posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sind weltweit zahlreiche Soldaten erkrankt. Laut Forschungen des US-Verteidigungsministeriums soll es bei Drohnenpiloten ähnlich häufig auftreten wie bei anderen Soldaten. Ein aktueller Simulationsversuch dazu lässt aufhorchen.

Personen, die einen simulierten Einsatz geflogen waren, zeigten stärkere Stresssymptome als die Vergleichsgruppe, die nicht teilgenommen hatte. Danach kommt es offenkundig zu psychisch erhöhtem Stress bei Bedienern von unbemannten Luftfahrzeugen. Bisherige Veröffentlichungen reichen jedoch nicht aus, um eindeutig zu belegen, dass Drohnenpiloten in vergleichbarer Weise anfällig sind für Belastungsstörungen, die durch den Stress im Gefecht verursacht werden, wie dies bei Piloten herkömmlicher Kampfflugzeuge oder Bodentruppen der Fall ist.

Zu klären ist, ob die Erfahrungen der Bediener von unbemannten Luftfahrzeugen tatsächlich der medizinischen Definition von PTBS entsprechen, es sich dabei aber streng genommen nicht wirklich um PTBS handelt. Zur Prävention von psychischen Beeinträchtigungen bieten sich Strategien an, die etwa auf eine verbesserte Auswahl und Ausbildung, das Trainieren der Widerstandsfähigkeit, den stärkeren Gruppenzusammenhalt der potentiellen Bediener oder auch auf psychopharmakologische Behandlungsmöglichkeiten abzielen.

Laut einer Studie der Bundeswehr kommen rund zwei Prozent der deutschen Bundeswehrsoldaten aus ihrem Auslandseinsatz mit einer problematischen Belastungsstörung zurück. Nur jeder zweite betroffene Soldat sucht anschließend Hilfe. Dennoch schneidet die Bundeswehr im Vergleich besser ab als andere Streitkräfte. Das hat verschiedene Gründe wie bessere Auswahlkriterien für Auslandseinsätze, eine umfassendere Einsatzvorbereitung der Soldaten, eine kürzere Einsatzdauer und eine geringere unmittelbare Gewaltexposition. Trotzdem ist das Risiko für Soldaten, im späteren Lebensverlauf an einer anderen psychischen Störung zu erkranken, wie etwa eine depressive Erkrankung, um ein Vielfaches erhöht.

Lesen Sie die Originalbeiträge in unserem PTBS-Special zu diesem Thema von Prof. Dr. Harald J. Freyberger und Prof. Dr. Michael D. Matthews und weitere Themen zu moderen Kriegstechnologien in unserem neuen E-Journal Ethik und Militär ab dem 15.06.2014.