zebis auf der 8. Jahreskonferenz der EURO ISME in Toledo

Die Kathedrale von Toledo

Zwischen dem 13. und dem 16. Mai 2018 nahm eine Delegation des zebis an der 8. Jahreskonferenz der International Society for Military Ethics in Europe teil. Unter dem Thema „The Ethical Implications of Emerging Military Technologies“ trafen sich internationale Experten an der spanischen Infanterieakademie in Toledo und tauschten Perspektiven und Argumente aus. Dabei war das Teilnehmerfeld nicht nur auf Europäer beschränkt. Auch Beitragende etwa aus den USA, Australien, Neuseeland oder China waren vertreten und bereicherten die Diskussion.

Das zebis beteiligte sich mit der Organisation eines Panels durch Kristina Tonn und einem Diskussionsbeitrag von Dr. Veronika Bock an der Konferenz.

Zu Fragen des Cyber Warfare hob Dr. Bock in ihrem Vortrag „The Digital Front. The Internet as a Warzone?“ die neueren Entwicklungen in der digital vernetzten Welt hervor. Cyberattacken seien alltäglich geworden. Der Angriff auf den Deutschen Bundestag im Jahr 2015 sei uns in Deutschland noch in guter Erinnerung. Ist die Aufdeckung eines Angriffs häufig bereits schwer genug, so ist es meist nahezu unmöglich, die Urheberschaft von Cyberattacken eindeutig zuzuordnen. Gleichzeitig sind moderne, digital vernetzte Gesellschaften durch derartige Angriffe enorm verwundbar. Allesamt Gründe, weshalb Cyberaktivitäten als probates Mittel für die hybride Kriegsführung angesehen werden.

Die in jüngerer Vergangenheit immer wieder kontrovers diskutierten Lethal Autonomous Weapon Systems (LAWS) waren Gegenstand des durch Kristina Tonn geleiteten Panels. Die Kollegen Bernhard Rinke und Bernhard Koch (beide Institut für Theologie und Frieden) und Eric Germain (französisches Verteidigungsministerium) gaben darin zunächst eine Überblick über den Stand der Diskussion in Wissenschaft und Politik, um anschließend einzelne ethische Aspekte dieser Waffensysteme zu diskutieren. Gesetzt die Annahme, dass LAWS existieren und ihre Entwicklung nicht mehr rückgängig zu machen sein wird, ergibt sich die Frage, ob die ethischen Dimensionen dieser Technologie bereits vollumfänglich erfasst sind. Einerseits werden immer wieder warnende Stimmen laut, die eine Senkung der Schwelle zur Kriegsführung fürchten, während andererseits sprachliche Schönfärbereien in der Diskussion um LAWS implizieren, dass ein nicht gering zu schätzender Technikglaube die Bewertung dieser Waffensysteme maßgeblich beeinflusst.

Fernab von den vielen kleineren Paneldiskussionen war es bemerkenswert, dass sich auch Vertreter der Verteidigungsindustrie der ethischen Debatte stellten. Den Organisatoren der Konferenz war es gelungen, Sprecher von Airbus Defence und Thales zu gewinnen. Diese vertraten einen eher nüchternen Standpunkt im Hinblick auf die zunehmende Technisierung der Kriegsführung und stellten sich den ethischen Einwänden, sodass nicht wenig Kontroverse um heutige und zukünftige Militärtechnologie entstand.

Nicht zuletzt durch diesen Austausch muss von einer äußerst gelungenen Konferenz gesprochen werden, die von der spanischen Infanterieakademie hervorragend beherbergt wurde. Auch das Ambiente und die historischen Zusammenhänge Toledos trugen zum Gelingen durchaus bei. Cervantes’ weltberühmter Romanheld Don Quijote de la Mancha, an den im Stadtkern Toledos vielerorts erinnert wird, kämpfte seinerzeit gegen Windmühlen als Sinnbild für neue Technologien. Es bleibt zu hoffen, dass sich die heutigen Zeitgenossen angesichts des immensen Zerstörungs- und Missbrauchspotenzials neuer Militärtechnologien bei der Einhegung derselben klüger anstellen als der aussichtslose Idealist und „Ritter von der traurigen Gestalt“.